Long time, no see.
Wir haben viel erlebt in den letzten Wochen. Doch lasst mich chronologisch vorgehen. Als ich meinen vorletzten Beitrag hoch lud, waren wir gerade in Tom Price. Die Ankunft dort gestaltete sich aufregend. Wir wollten an dem Samstag lediglich schnell in den Supermarkt gehen und uns im Visitor Center informieren, bevor wir in den Karijini Nationalpark fahren. Auf dem Woolworths Parkplatz bemerkten wir es dann. Aus dem linken hinteren Reifen kam Luft. Nicht gerade ideal, sollte man meinen. Was nun? Zuerst ein klärender Anruf bei britz, unserem Vermieter. Die Reifen sind nicht mitversichert, wir müssen den Schaden also selbst bezahlen. Zum Glück war es wirklich nur ein kleines Loch das geflickt werden konnte. Wir steuerten also die empfohlene Werkstatt an, die uns erstmal an die nächste Werkstatt verwies. Es war ja auch Samstag und viel los. Die zweite Werkstatt konnte uns den Reifen dann innerhalb von 20 Minuten reparieren, wir waren sehr froh. Günstig war es sogar auch. Glück im Unglück quasi. Nur unser Zeitplan vom schnellen Auftanken und los geht’s wurde so über den Haufen geworfen. Nach dem Einkaufen und Tanken war es schon Nachmittag als wir es endlich ins Visitor Center schafften. Da wir noch eine Mine besuchen wollten (Tom Price ist eine Minenstadt), dies jedoch erst am nächsten Tag möglich war, entschlossen wir uns die Nacht im örtlichen Campingplatz zu verbringen.
Mount Nameless

Die Gegend um Tom Price ist (für australische Verhältnisse) gebirgig. Sie wird sogar als höchste Region Westaustraliens bezeichnet. Eine lokale Attraktion ist Mount Nameless, ein Berg von dem man eine wundervolle Aussicht über Tom Price und die Umgebung hat. Herauf führt eine sehr gewundene und steinige Schotterpiste. Natürlich ist diese nur mit einem Allradfahrzeug befahrbar. Weil die Strecke so steil und uneben ist, sollte der Low Range Modus verwendet werden. Der funktioniert, indem das Differentialgetriebe an den Rädern gesperrt wird. Dieses hat eine Getriebeuntersetzung zur Folge. Die Räder drehen sich also langsamer als die Motordrehzahl. Dadurch erhält man wesentlich mehr Drehmoment, jedoch auf Kosten von der Geschwindigkeit. Das hat zur Folge, dass unterschiedliches Gelände (Steine, Sand, etc.) von jedem Reifen einzeln bezwungen werden kann und z.B. das Antiblockiersystem nicht einsetzt. Das Fahrzeug hat also mehr Griffigkeit und fährt sich z.B. auf sehr sandigem Untergrund nicht fest, bzw. einfacher aus der festgefahren Stelle hinaus.
Nachdem wir diese steile Strecke bezwungen hatten wurden wir mit dem versprochenen spektakulären Ausblick belohnt.
Minentour
Tom Price ist eine Minenstadt. Mitten im Nichts gelegen (den Nationalpark ausgenommen) sind wertvolle Eisenerzvorkommen das Einzige, was Menschen zur Ansiedlung getrieben hat.
Im Visitor Center hatten wir am Samstag eine Tour durch eine große lokale Mine für den Sonntagmorgen gebucht. Die Besichtigung war allerdings nicht ganz so spektakulär wie erwartet. Eigentlich sind wir nur mit einem Bus in die Mine (das Gelände war allerdings riesig) hineingefahren. An einem Aussichtspunkt wurde haltgemacht und dann ging es auch wieder zurück. Das aufregendste Ereignis erwartete uns erst ganz zum Schluss. Am Visitor Center wieder angekommen, gestaltete sich das Aussteigen aus dem Bus als recht langwierig. Dass wir den Altersdurchschnitt der Gruppe erheblich senkten, beschleunigte den Ausstieg aller Passagiere nicht gerade. Als wir als fast letzte den Bus verließen kam ein Mann angerannt der rief man solle schnell den Bus verlassen weil er brenne. Sachen gibt’s. 🙂 Anscheinend brannte die Bremse eines Hinterreifens. Zum Glück löschten der Mann, Busfahrer und unser Tourguide das Feuer mit den Feuerlöschern die in jedem australischen Fahrzeug Pflicht sind. Quasi das australische (und einzige) Äquivalent zu dem deutschen Set aus Warnweste, Warndreieck und Erste Hilfe Kasten.
Karijini Nationalpark
Danach ging es für uns endlich in den Nationalpark. Eine ganz andere Umgebung als die Küstenregion, aus der wir kamen. Das Gebiet der Hamersley Range ist von Flüssen durchzogen, die sich durch das felsige Gebiet gebahnt haben. Zahlreich fallen diese Flüsse in tiefe Schluchten ab die man herab klettern kann um in kleinen Naturpools zu baden. Zu finden sind diese Pools meist am Ende eines Wasserfalls an dem sich das Wasser staut. Durch die umliegenden Schluchten liegen die Pools häufig im Schatten was dazu führt, dass das Wasser eiskalt ist. Dafür ist das Wasser durch das Gestein sehr klar. Die Schluchten und die Erde sind typisch australisch rot gefärbt. Die Färbung wird durch die Mineralienvorkommen wie Eisenerz und Asbest hervorgerufen. Ja, das giftige Asbest ist gemeint. An einigen Schluchten gibt es daher Warnungen, die betreffenden Asbest-Stellen nicht anzufassen.
Wir haben uns von Westen nach Osten durch den Park gearbeitet und insgesamt zwei Tage dort verbracht. Nach der Minentour sahen wir uns die Weano Gorge (Gorge bedeutet Schlucht) von einer Aussichtsplattform und die Joffre Falls an. Wir waren schon ziemlich k.o. und beschlossen, die Joffre Falls erst am nächsten Tag hinabzusteigen. Die Wasserfälle führten nämlich in eine Schlucht die von oben spannend aussah. Danach war es schon Nachmittag und wir machten uns auf den Weg zum Camp Ground im Nationalpark. In der Nähe dieses Camp Grounds gab es noch die Fortescue Falls, die über einen einfachen Weg zu erreichen waren.
Die Nacht im Karijini Nationalpark war durch das Halbwüstenklima sehr kalt. Wir haben kein Thermometer im Auto aber der Wetterbericht sagte um die 5 Grad vorraus. Tagsüber waren es dafür mindesten 25 Grad. Ich hörte nachts sogar die dort ansässigen Dingos heulen. Da war ich über das Rooftop Zelt auf dem Dach unseres Autos sehr froh. 🙂

Noch etwas durchgefroren machten wir uns auf einen neuen aufregenden Tag gefasst. Zuerst ging es zu zur Aussichtsplattform über dem nahen Circular Pool in der Dales Gorge. Dort hielten wir uns aber nicht lange auf, da wir ja noch die Joffre Falls hinunter klettern wollten. Dafür mussten wir erst ein ganz schönes Stück im Nationalpark zurückfahren. Der Wanderweg selbst war anspruchsvoll aber sehr schön. Der anstrengendste Part war das Hinabklettern in die Schlucht. Ca. 100 Meter war mit bunten, kreisrunden Plaketten auf dem Felsen der Weg gekennzeichnet. Und dann heißt es klettern „light“, bzw. riesige und unebene Treppen hinuntersteigen. Unten konnten wir die zuvor von oben durchquerten Wasserfälle von unten anschauen und hätten sogar in dem kreisrunden Pool schwimmen gehen können. Wir begnügten uns allerdings mit ein bisschen Füße ins Wasser halten. 🙂
Auf dem Weg zurück mussten wir das Ganze natürlich wieder hochklettern, das war ein bisschen anstrengender als der Aufstieg. Ging dafür schneller, da wir den Weg ja schon kannten.
Unser dritter Stop des Tages führte uns an die Kalamina Gorge, wo wir erstmal unsere Mittagspause abhielten. In der Schlucht sind wir 3 km am Fluss entlang gewandert. Danach waren wir ziemlich platt und haben unser Nachtlager außerhalb des Parks aufgeschlagen. Von der Albert Tognolini Rest Area hatte man eine tolle Aussicht über die Hamersley Range im Nationalpark. Wir konnten dort einen schönen Sonnenuntergang über dem Nationalpark genießen und ein kleines Lagerfeuer anzünden.
Herrlich die „Natur“ mit so vielen bunten Farben. Sie ist einladend und sehr schön.
Der „Wanderweg“ hat es in sich! Hört sich erst so gemütlich an, im Gegensatz zu dem Foto! Beschaulich sehr steinig und gigantisch.
Danke euch beiden für diesen Einblick.